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Gharbaïn

Mi 17. 01. 2018
20:30

(Marokko/ Frankreich) – Klassik und Folk aus dem Maghreb

Gharbaïn bedeutet wörtlich ›Die zwei Westen‹. Die erste Bedeutung des Wortes verweist auf den Maghreb und die geographische Lage Marokkos als das westlichste Land des afrikanischen Kontinents. Mit dem zweiten Westen ist das muslimische Andalusien des Mittelalters gemeint. Dort begründete der berühmteste Oud-Meister der Zeit, Abu l-Hasan ›Ali Ibn Nafi‹ (789–857) genannt Ziryab, die Schule der arabo-analusischer Musik und entwickelte die nūbah. Dies sind die Formen der melodischen Gestaltung (tonräumliche Struktur, Makame) und die Prinzipien des Gesangs auf Grundlage epischer Dichtungen. Es gab zunächst 24 nūbah, eines für jede Stunde des Tages. Jedes nūbah mußte die Dauer von einer Stunde haben.
Das Trio Gharbaïn verkörpert aber auch noch eine weitere westliche Verbindung: die zwischen der im Nordwesten Marokkos gelegenen Stadt Fès und Narbonne, gelegen im Südwesten Frankreichs. In Fès wurde Thomas Loopuyt geboren und Abdalatef Nordine hat dort auch seine Wurzeln; wohingegen Abdalatef Nordine in Narbonne geboren wurde, wo Thomas Loopuyt seine familiären Bindungen hat. Narbonne hat eine lange arabische Tradition, da die Stadt im 8. Jahrhundert von den maurischen Umayyaden, dem berühmten Familienclan aus Damaskus für 40 Jahre regiert wurde.
Die Musiker von Gharbaïn beziehen ihr Repertoire einerseits aus der klassischen arabo-andalusischen Tradition; andererseits gehören Stücke der städtisch-maghrebinischen Volksmusik Chaabi sowie die arabische Tanzmusik Aïta zum festen Bestandteil der Konzerte. In der gesungenen populären und klassischen Poesie ist die Liebe das immer wiederkehrende Thema. Gharbaïn lässt sich von diesen verschiedenen marokkanischen Stilen inspirieren und interpretiert sie als ständigen Dialog mit historischen und heutigen Orientierungspunkten.
Thomas Loopuyt wurde in Fès in eine Familie von reisenden Künstlern geboren, die mehr als zehn Jahre in Marokko verbracht hat. Sein Vater Marc Loopuyt, ein Meistermusiker auf der Oud, lehrte ihn das Instrument seit frühester Jugend. Später perfektionierte er sein Spiel mit anderen Meistern in Marokko und bei vielen Auslandsreisen in die Türkei, den Jemen und im Nahen Osten und entwickelt so seinen eigenen Stil, den er auch durch das Spiel anderer Instrumente wie Lauten und Perkussion bereicherte. 2011 schließt er sein Studium traditioneller Musik an der Ecole Nationale de Musique de Villeurbanne ab, wo er heute selbst Oud unterrichtet. Mit verschiedenen Ensembles wie dem Duo de Oud (mit seinem Vater), Les deux Andalousies und auch als Solist tritt er regelmäßig in Frankreich und im Ausland auf (Uzbekistan, Afghanistan, Azerbaïdjan, Pakistan, Turkei, Saudi Arabien, Algerien, Tunesien, Schweiz und Deutschland).
Abdalatef Bouzbiba wurde in Narbonne in einer ursprünglich aus Fès stammenden Familie geboren. Seit seiner Kindheit hat er regelmäßig an Hochzeitsfeiern teilgenommen, sodass er beschloss selbst Musiker zu werden. Der Multi-Instrumentalist lernte autodidaktisch Trommeln, Gesang, Violine und Viola und später die Nay (Rohrflöte) und Ghaïta (Oboe). Heute unterrichtet er traditionelle marokkanische Musik und spielt mit auch mit der Band Du Bartàs zeitgenössische okzitanische Musik. Über Jahre war er ein gefragter Sänger und Musiker von Hochzeitsmusik, was ein sehr breites Wissen des traditionellen maghrebinischen Repertoires erfordert.
Nordine Boussetta lernte zunächst die Grundlagen der marokkanischen Musik mit seinem Onkel und als Musiker auf Hochzeitsfeiern. Später perfektionierte er sein Spiel als Perkussionist mit dem großen marokkanischen Darbuka-Meister Mustapha Antari. Auch reiste er in die Türkei, um dort mit Hakan Kaya Darbuka andere Stile und die Feinheiten des Darbuka Spiels zu erlernen. Mit Emin Bolat lernte er die Riq. Er spielt regelmäßig mit Rooh Meknès, einer marokkanischen Gruppe mit Sitz in der nordmarokkanischen Stadt Meknès und pflegt ebenfalls weiter das Spiel der volksmusikalischen Traditionenen auf Hochzeiten.