Die Geschichte der Jazz-Schmiede
Ulrike Merten / Laurenz Haverkamp
»… Jazz ist, genau genommen, im Innern eines jeden von uns … Ich bin erstaunt, daß es Jazz nicht schon immer gegeben hat … Nichts ist intensiv genug – es sei denn vielleicht, es ist Jazz …«
– Jean Cocteau
»Am Anfang stand die Idee, zu beweisen, dass ein Jazz-Club in dieser Stadt gute Chancen hat, vom Publikum gebraucht zu werden. Als Live-Erfahrung. Es sollte ein Laden sein, dessen Name größer ist als der der dort auftretenden Musikerinnen und Musiker – ähnlich dem ›Ronnie Scott’s‹ in London oder dem ›Village Vanguard‹ in New York. Ein Club, in den man geht, ohne das Programm zu kennen. Weil man weiß: Hier gibt es Qualität. Hier kann man Neues entdecken!«
– Peter Weiss
Kann das Zufall sein? Auffallend viele Weltklasse-Schlagzeuger waren in drei Jahrzehnten unter den internationalen Gästen des Clubs: Steve Gadd, Roy Haynes, Al Foster, Brian Blade, Dennis Chambers, Jeff Hamilton, Alvin Queen, Dave Weckl, Denis Mackrel, Billy Hart …!
Das Klirren der Gläser klingt nach Zukunft. An Tisch 4 in der Destille stoßen Peter Weiss, Ralf Butscher (†), Heiner Siefert (†), Ali Claudi (†), Wolfgang Riehn, Peter Baumgärtner, Klaus Roers (†), Reinhard Glöder und Hans G. Ulrich (†) mit Altbier auf ›Jazz in Düsseldorf‹ an. Ladislav Ceki, der mit dem soeben frisch gegründeten, gleichnamigen Verein später den Jazz im Hofgarten mit Weltmusik kreuzen wird, kellnert an diesem Herbstabend 1994 und sorgt für Nachschub. Endlich! Düsseldorf bekommt wieder einen Jazz-Club!
Auf dieses Ziel hatte Schlagzeuger Peter Weiss, ständig andernorts auf der Bühne, nur nicht in der eigenen Stadt, bereits vier Jahre zuvor hingearbeitet. Schon viel zu lange klaffte seit der Schließung des legendären ›Downtown‹ 1987, jenem viel gerühmten Altstadt-Kellerkind, in dem einst Stars wie Ben Webster und Dexter Gordon gefeiert wurden, eine Leerstelle. Doch seine Suche nach einem geeigneten Raum mit intimer Atmosphäre gestaltete sich als komplizierte Solo-Partie. Unterstützt von der damaligen, der alternativen Szene zugewandten Kulturamtsleiterin Barbara Kisseler (†), waren die verschiedensten Domizile zwischen Zakk und Volksgarten aufgegriffen und wieder verworfen worden.

Als sich der Verein ›Leben in der Fabrik‹ für die Rettung des Jagenberg-Geländes in Bilk stark macht und die Stadt, mit der LEG als Bauherr, in den schmelzverklinkerten Jugendstil-Gebäuden der ehemaligen Maschinenbaufirma Ateliers, Ausstellungsräume, Wohnungen und ein Bürgerhaus plant, zeigt sich die originäre Schmiede dort als Ort mit Charme und Charakter. Der Glücksfall für das ambitionierte Ziel, ein lebendiges Forum für modernen Jazz in all seinen Spielarten – samt Bar – zu eröffnen.
Heute, 30 Jahre, rund 2500 Konzerte und 240.000 Besucher später, bleibt diese Schmiede eine der renommiertesten Spielstätten für zeitgenössischen Jazz in Deutschland. Guter Ruf, bester Sound, spannendes Programm! Und neben den Landes-Spielstättenpreisen verdiente sich der Club im vergangenen Jahrzehnt mehrfach auch die Auszeichnung des Bundes, den Bundesspielstättenpreis.
Ralf Butscher, Pianist und Mann der ersten Stunde, war stolz auf die Nummer 2 in seinem Mitgliedsausweis, den er stets im Portemonnaie trug: »Düsseldorf musste raus aus der Jazz-Diaspora!«, erinnerte sich der 76-Jährige zum 20. Jubiläum an die Aufbruchstimmung der Startphase: »Ich zeig dir unseren zukünftigen Club«, hatte Peter Weiss seinem Freund Butscher gesagt und ihn mit auf die Baustelle an der Himmelgeister Straße 107g genommen. Sprachlos habe er damals in der komplett entkernten Schmiede gestanden. »Es war nichts zu sehen! Dieses Bild ist noch immer auf meiner Festplatte im Kopf.« Das sei ein Wagnis, habe er gedacht, und der Ort liege ein bisschen außerhalb. Aber er habe sich von Peters Euphorie anstecken lassen!
Dank Heiner Siefert, Architekt und allseits einsatzfreudiges Gründungsmitglied, hat Weiss Gelegenheit, Erfahrungswerte seiner Auftritte umzusetzen. Schließlich ist die richtige Höhe einer Bühne eine sensible Sache: Ist sie zu niedrig, sehen die Gäste in den hinteren Reihen nichts. Ist sie zu hoch, bekommt die erste Reihe einen steifen Nacken. Fast schlimmer noch: Eine zu hohe Position der Musiker stört den direkten Dialog mit dem Publikum. Nicht nur die barrierefreie Kommunikation mit 199 möglichen Gästen ist in der Schmiede ideal. Eine kleine Klappe wird zum Coup! Weiss wusste, wie wichtig eine fest installierte Technikverbindung von der Bühne nach draußen zum Ü-Wagen für Rundfunkmitschnitte ist. Kein Wunder also, dass die Big Band des WDR längst Stammgast ist.
Eine Marke braucht ein Logo: In Druckerlettern setzt Jean Lessenich die ›Jazz-Schmiede‹ – und ein kleiner Charlie Parker im Profil bläst dazu ins Saxophon. Ein Logo, das zum Begriff wird. Fehlt noch das Herzstück: der exquisite Steinway-Flügel. Mit 50 000 D-Mark für ein gebrauchtes Exemplar kommt die Firma Heinersdorff dem Verein zwar entgegen. Doch nur die Hälfte kann aus dem Stadtsäckl finanziert werden. Für die 25 000 fehlenden Mark legen sich Mitglieder, Förderer und Privatleute ins Zeug. 1000 Mark steuert etwa seinerzeit Kulturamtsleiterin Marianne Schirge aus ihrem privaten Portemonnaie bei. Eine Spendenaktion mobilisiert schließlich die Freunde der Jazzszene und bietet für 100 Mark einen Sitzplatz mit Namensschild. »Der wunderbare Steinway B211 ist mir immer noch der liebste!« schwärmte Jazzpianist Butscher. »Vor jedem Konzert wird der Flügel gestimmt. Dafür sorge ich!«
Volles Haus beim Eröffnungskonzert des neuen Clubs am 29. September 1995. Ein schöner, klarer Raum – warmer Holzboden, schlichte weiße Wände, großzügig und intim zugleich – plus Bar-Tresen empfängt die neugierigen Gäste.
Mit sattem Big Band-Sound trumpfen die jungen Musiker der Clara Schumann Musikschule auf, Barbara Oxenfort hebt mit ›Fly me to the moon‹ ab, während Wolfgang Engstfeld (†) und Peter Weiss den freien Flug der Balladen-Töne und Rhythmen pflegen. Gratulation und Lob machen die Runde, an der Theke schmeckt das Freibier. Alle scheinen glücklich, nur einer nicht: Peter Weiss. Er hört, dass »es scheppert und knallt«. Er hadert mit der schlechten Akustik. Das historische, spitze Glasdach der Schmiede ist nicht nur ein akustisches Problem. Im Sommer ist es im Raum zu hell und mit bis zu 40 Grad entschieden zu heiß! Da leiden Flügel wie Musiker und Publikum.
Um die Härte des Klangs, den Nachhall, wenigstens etwas zu mildern, krempeln die Vereinsmitglieder die Ärmel hoch und bringen eine Dämmwand an der Bühnenrückseite an. Auf ein besseres Klima dank Innenrollos und einer außen angebrachten Verschattung mit Wärmeblenden für das gläserne Dach muss der Club allerdings bis zum 10-Jährigen warten. Bürgermeister Dirk Elbers war bei der Gratulation zum Jubiläum mächtig ins Schwitzen gekommen … und Weiss nicht müde geworden, auf die Gründe dafür hinzuweisen.
Auch die technische Ausrüstung lässt in der Anfangszeit Wünsche offen: »Damals gab es nur eine Minimalausstattung, sechs Mikros, ein kleines Pult.« Lars Wallat weiß, wovon er spricht. Bereits als Student an der Robert Schumann Hochschule hat der gebürtige Hesse im Club ausgeholfen. Heute ist der Ingenieur und Geschäftsführer der Schmiede nicht nur für den guten Ton in der Schmiede verantwortlich. »Egal, welcher Musiker kommt, ich kann ihm bieten, was er braucht«, wertschätzt der 44-Jährige – auch für die technische Leitung Verantwortliche – den inzwischen hohen Standard: mehr als 20 Mikros, neben dem Steinway mehrere Schlagzeug-Sets, ein E-Piano, Bass- und Gitarrenverstärker, Kontrabass und eine erstklassige Sound-Anlage und inzwischen sogar eine original Hammond B3!
Mit den Konzertaufzeichnungen durch den WDR erreichte die Schmiede 2004/5 überregionale TV-Ausstrahlung. Fernsehpräsenz für ein Düsseldorfer Kulturinstitut! Das war bislang Alleinstellungsmerkmal des Kom(m)ödchens.
Doch von Planungssicherheit kann der Club lange nur träumen. Zunächst 6000, dann 10 000 Mark, die jedes Jahr neu beantragt werden müssen, stehen in den ersten Jahren für die Programmgestaltung zur Verfügung: Die Jam-Sessions, immer dienstags, bieten ein freies Spielfeld, Experimentierraum für die junge Szene von den Hochschulen der Region. Die Sessions haben schnell das Zeug zum Publikums-Magneten, bleiben als ›Geheimtipp‹ des Marco Polo-Düsseldorfführers nicht lange geheim. Der Freitag ist für Konzerte reserviert. Austausch, Improvisation, Inspiration, Spielfreude – das ist der besondere Geist der Schmiede! Die Resonanz wächst in Wellen. Mal hören nur 30 Besucher konzentriert zu, mal füllt ein Auditorium von 150 Jazz-Freunden den Raum. Mit Benefiz-Auftritten bessern die Musiker des Vereins die Kasse auf. »Das Programmheft war in der ersten Zeit so gut wie handgeschrieben, aber mit Herzblut«, betonte Ralf Butscher.
»Es durfte eben alles nicht viel kosten. Doch man konnte spüren: Da entwickelt sich was!« Mit schwankenden Zahlen musste Ali Claudi, ebenfalls Gründungsmitglied und Gitarrist, als Kassenprüfer jonglieren. »Ein Problem waren damals die höllisch hohen GEMA-Abgaben, die nach Quadratmeter berechnet wurden«, blickte er bereits zum 20. Schmiede-Geburtstag in den Rückspiegel. Er schrieb Einspruch-Briefe an die Geschäftsleitung. Tenor: »Wir sind keine Disco, wir machen Kultur! Und wir haben zu kämpfen, das geht nicht!« Schließlich ließ sich die GEMA auf eine Senkung um 25 Prozent ein. Auch eine Steuerprüfung im sechsten Jahr löste Turbulenzen aus. Gut, dass unter den Mitgliedern ein Steuerfahnder als Fachmann beraten konnte. 5000 Euro Nachzahlung mussten aber dennoch verkraftet werden. Die sorgfältige Verwaltung des Budgets – durch Lennart Nevrin und seinen Nachfolger Volker Strunk (†) – war zweifellos von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Weil Peter Weiss von 1995 bis ’99 Leiter der Jazz-Rally in Düsseldorf ist, übernimmt Professor Wolfgang Engstfeld den Vorsitz des Vereins, wird später von Ralf Butscher abgelöst. Doch Weiss bleibt die treibende Kraft des Clubs, ist ein beharrlicher Grantler im Kulturamt in puncto Schmiede und spitzt Ende der 90er die Lage – kein festes Budget, keine feste Stelle, nur Ehrenamtler im Einsatz – in einem Brief an den damaligen Kulturdezernenten Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff so zu: »Entweder wir bleiben mit dieser kleinen Fördersumme ein Provinzverein, oder wir professionalisieren den Laden wirklich!«

Es dauert noch ein Dreivierteljahr, bis der Jazz eine eigene Haushaltsstelle bekommt. Seit 2008 ist Lars Wallat der einzige Festangestellte. Gleich in Doppelfunktion als Tontechniker und Geschäftsführer. Det Lesny, der bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, hatte sich zuvor vier Jahre als Halbtagskraft eingesetzt. Das Budget von 51 700 Euro wurde in den vergangenen Jahren erhöht und beträgt zur Zeit 113.000 Euro (inklusive Jazz im Hofgarten). Nachhaltiges Sponsoren-Engagement war und ist da gefragt. Die Brauerei Frankenheim unterstützte den Club zum Start, die Sparda Bank finanzierte seit Jahren die Reihe ›New Voices, New Faces‹, schließlich übernahm Vorstandsmitglied Rainer Maassen einen großen Teil der Summe. Viele andere Förderer verzeichnet die Liste im Anhang. Mit moderaten Eintrittspreisen lässt die Schmiede die Besucher an den Zuwendungen teilhaben.
Nicht zur Gründer-Clique gehört Jörg Weule. Doch der Mathematiker und Informatiker wird wenig später Fan der Sessions und Konzerte, ist seit 29 Jahren Vereinsmitglied und sichert in den Anfangsjahren mit seiner Website-Pflege den einladenden Auftritt im Netz. Der von ihm geprägte Newsletter versorgt kontinuierlich über 3100 Adressaten mit Informationen.
Für den Schmiede-Programmflyer zeichnet zunächst bis 2011 Vorstandsmitglied Heinz Holzapfel (†) verantwortlich. Den (Mit-)Begründer der Kulturbroschüre ›Biograph‹ holte Weiss 1996 ins Team. Ursprünglich hatten die beiden wegen eines werbenden Club-Projektes in der kostenlosen Kulturprogrammzeitung telefoniert. Zwei Tage später saß Holzapfel bei Weiss am Küchentisch, wurde sofort Mitglied, gestaltete die Flyer, übernahm PR-Arbeit, Organisation und Kasse, war Geschäftsführer – und bescherte als Cineast und Jazz-Quereinsteiger der Schmiede eine Reihe über Film und Jazz. Seit 2011 wurden viele dieser Aufgaben – z.B. Website-Pflege und Flyer-Gestaltung – von Robert Weiss übernommen.
Als Urgestein des Vereinswesens war Wolfgang Frech (†) unersetzlich. Ob Satzungsänderungen, Vereinsregister, Notar-Kontakte, Leitung der Jahreshauptversammlung, Archivarbeit oder Anlaufstelle für derzeit rund 370 Mitglieder, der gebürtige Schwabe hielt die Fäden in der Hand. Und weil der Freund von Swing und Modern Jazz, wie er über sich selbst sagt, nicht auf den Mund gefallen war, hatte er zudem über Jahre freitags und samstags die Moderation der Konzerte übernommen: ganz schön schräg, heißt es. Seine Ansagen hatten fast Kult-Charakter.
Natürlich ist die Musik die allabendliche Heldin. Aber ein Club lebt auch von einem geeigneten Wirt. Den zu finden, kostete einige Versuche, Irrtümer und Querelen. Jetzt steht der Richtige hinter dem Tresen: Ivi Skoric bespielt die Bar der Jazz-Schmiede seit 2007 als Gastronom, hat aber fünf Jahre vorher bereits dort Erfahrungen gesammelt. »Hier ist alles live, das Konzert soll möglichst nicht gestört werden«, ist seine Maxime. Er richtet die Bestuhlung je nach Reservierung neu aus, legt vor den Konzerten Musik auf, die Qualität hat und die nicht nur Geräuschkulisse ist. Er weiß, was die Gäste wünschen und schafft insgesamt ein Wohlfühlklima für alle Besucher.
Die musikalische Bandbreite in der Jazz-Schmiede ist groß angelegt. Ob Big-Band-Sound oder Bebop, Fusion oder Blues Balladen, Swing oder Acid, Funk, Latin, Crossover … Musiker sind hier die Programm-Macher: Kontrabassist Reinhard Glöder wählte die Big Bands, Saxophonistin Angelika Niescier die ›New Voices, New Faces‹ aus, Schlagzeuger Peter Baumgärtner – heute Vorsitzender und künstlerischer Leiter – plante mehr als ein Jahrzehnt die Freitagskonzerte; inzwischen liegt diese Reihe in den Händen von Bassist Nico Brandenburg. Es spielten u.a. die Kölner Saxophon Mafia, Charlie Mariano und Weltgrößen wie Alt-Saxophonist Lee Konitz, Sax-Legende James Moody, Drummer Dave Weckl und Kollege Billy Cobham, Flügelhornist Kenny Wheeler, der Trompeter Uli Beckerhoff oder der italienische Pianist Enrico Piranunzi.
Anekdotisches am Rande der Höhepunkte: Beim Auftritt des US-amerikanischen Drummers Haynes Ende der 90er reißt plötzlich mitten im Spiel die Feder seiner Fußmaschine. Sofort wird vom Schmiede-Personal eine Ersatzmaschine gereicht. Der Meister zeigt sich beeindruckt von diesem professionellen Service.
Als das Fernsehen das Konzert von Al Foster, lange Trommler bei Miles Davis, aufzeichnet, wirkt der Star leicht nervös. Peter Weiss reicht ihm einen Whisky in die Garderobe – und erlebt einen sympathisch geerdeten Typen.
Das Äußerste gibt die Big Band des WDR – von Anfang an eine feste Größe im Club – beim Live-Mitschnitt 2010. Da signalisiert der Aufnahmeleiter im Ü-Wagen: »Der Rechner ist ausgefallen. Aber die Musiker wissen es noch nicht …!«
Einen Pianisten wie den Franzosen Baptiste Trotignan konnte sich die Schmiede nur leisten, weil sie ihr Angebot ebenso durch die gepflegte Kooperation mit dem Institut Français, wie dem Polnischen und dem Italienischen Institut in Düsseldorf stützt. Auch Startrampe für Karrieren war der Club – u.a. für Till Brönner und Roger Cicero. Zu den jüngeren Düsseldorfer Jazzern zählen Pianist Xaver Fischer, Gitarrist Philipp van Endert, Bassist Nico Brandenburg, und Pianist Sebastian Gahler, Philipp Wisser, Michael Knippschild und Philipp Schittek.
Im Wechsel mit der Big-Band-Reihe für große Klangkörper bietet die Reihe ›New Faces‹ seit 2007 dem Nachwuchs aus den Hochschulen – bislang 374 Talenten – ein Podium. Über die Jahre haben viele der aufstrebenden Künstler, die bei ›New Faces‹ auftraten, ihren Weg gemacht und zählen heute zu den etablierten Größen der deutschen und internationalen Jazzszene. Es ist immer wieder eine große Freude, neue Talente zu entdecken und sich zu fragen: Wer von ihnen wird sich als feste Größe in der Jazzlandschaft etablieren? Zugleich hat das Publikum die Chance, unerhörte Avantgarde und die Stars von morgen zu entdecken. Spektakuläres Beispiel ist das Pablo Held-Trio. Die gefeierten Newcomer haben sich in der Schmiede die ersten Meriten verdient. »Wenn Pablo Held als Kölner sagt«, so Peter Baumgärtner, »der Club ist für mich home coming, das spricht sich rum!«

So macht der Club von sich reden: »Eine musikalische Heimat mit Stil!« »Ein kleiner Konzertsaal, mit Theke und Barhockern.« »Ein Treffpunkt mit entspannter Atmosphäre!« »Du spürst, wie die Musiker atmen.« »Jeden Abend etwas Besonderes mitnehmen!« »Das Publikum schreckt vor komplex strukturierter Musik nicht zurück. Und die Musiker fühlen, dass sie vom Publikum getragen werden.«
Und Uli Beckerhoff wertschätzt: »Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube, dass ich das erste Mal 1996 in der Jazz-Schmiede gespielt habe und seitdem bestimmt weitere 20 mal. Für mich ist dieser Club einer der besten in Deutschland. Es stimmt wirklich alles für uns Musiker. Der Flügel, die PA, der Sound und das Hotel. Ich habe mich immer wirklich willkommen bei euch gefühlt, und ihr habt ein großartiges Publikum, das sich quer durch alle Altersklassen für den Jazz begeistert.
Das gesamte Team der Schmiede hat in all den Jahren gezeigt, dass es auch in großen deutschen Städten möglich ist, erfolgreich einen Jazzclub zu unterhalten, der den Inhalten der Musik, den Musikern und dem Publikum gerecht wird.
Vielen Dank dafür und herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und auf viel weitere und erfolgreiche Jahre!«
Die Bedeutung des Clubs spiegelt sich auch in der regionalen und überregionalen Wahrnehmung: Den ›Applaus‹ – den wichtigsten Bundeskulturpreis für freie Musik-Spielstätten und einer der höchstdotierten Bundeskulturpreise erhält die Schmiede für ihre Programmgestaltung jährlich von 2014 bis 2018 und ebenfalls in den Jahren 2023 und 2024.
Die ›Spielstättenprogrammprämie NRW‹ – vergeben durch den LMR NRW – geht mit Ausnahme von 2017 in jedem Jahr an die Schmiede.
2022 erfolgt die Nominierung für den Deutschen Jazzpreis 2022 in der Kategorie ›Spielstätte des Jahres‹. Nach dem Online-Voting der Deutschen Jazzunion landet die Schmiede immerhin auf Platz zwei!
All that jazz …! Wer es genau wissen will, der kann in der Veranstaltungsliste die Auflistung aller Konzerte nachlesen.
Als Visitenkarte des Jazz ›Made in Düsseldorf‹ produziert die Schmiede eigene CDs, jeweils in 500er-Auflage, fast alle sind vergriffen. Und – wie heutzutage zu erwarten – : Inzwischen präsentiert die Schmiede einen eigenen YouTube-Kanal mit etlichen Konzert-Mitschnitten. Aktuell sind es mehr als 220 Videos, die Interessierten zur Verfügung stehen.
Nicht zu vergessen: der Freiluft-Ableger von ›Jazz in Düsseldorf‹. Die inzwischen fast 50 Jahre jungen Hofgartenkonzerte, 25 davon unter der Regie des Vereins in Zusammenarbeit mit dem ›Eine-Welt-Forum‹, haben eine treue, wetterfeste Fan-Gemeinde. Vier Konzerte pro Jahr mit Musikern aus aller Herren und Damen Länder begeistern in der Sommerpause der Schmiede tausende Menschen. Sowohl Jazzfreunde als auch Familien mit Kindern oder Passanten genießen unter dem Motto ›Lauschen und Liegen‹ die Musik auf der Wiese vor dem alten Musikpavillion zwischen Schauspielhaus und Schloss Jägerhof. In Kooperation mit dem ›Eine-Welt-Forum‹ sorgt die Schmiede mit einem breitgefächerten internationalen Programm dafür, dass Jazz und Weltmusik nicht nur in der Schmiede oder anderen Räumlichkeiten stattfindet, sondern dass diese Musik zu den Düsseldorfern und zu den Besucherinnen und Besuchern nach draußen getragen wird: ›Schmiede To Go‹ sozusagen, ›Open Air‹ und kostenlos! Hier traten neben vielen anderen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt auch Joe Zawinul, Al Foster, Trilok Gurtu und Brian Auger auf!

2015 – im Jahr des 20-jährigen Jubiläums – kreierte die Schmiede ein neues Veranstaltungsformat: Zielgruppe der Reihe: die kultur- und wissenschaftsinteressierte Öffentlichkeit der Stadt Düsseldorf. Die HHU, die ›Heinrich Heine Universität‹, öffnete sich in Kooperation mit der Jazz-Schmiede in einer wissenschaftlichen – quasi ›transdisziplinären‹ – Begegnung einem besonderen, kulturell schillernden Phänomen: dem Jazz. Im Haus der Universität, dem HdU, fanden in lockerer Folge Themenabende statt. Ein im Bereich der Musik ›grenzüberschreitendes‹ bzw. bisweilen ›Grenzen sprengendes‹ und zum Teil schwer greifbares Phänomen wie der Jazz ist ein reizvoller Gegenstand für Wissenschaftler und für unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven, die auf diese Weise – im Sinne einer ›wechselseitigen Erhellung‹ (Jazz in der Praxis und wissenschaftliche Annäherung in der Theorie) einer breiteren Öffentlichkeit näher gebracht wurden.

Eingebettet in zwei halbstündige Konzerte forderte ein kurzer – ebenfalls etwa halbstündiger – Vortrag heraus. Eröffnet wurde die Reihe mit einem Beitrag von Professor Labisch (Mediziner, Historiker und ehemaliger Rektor der HHU) und entwickelte sich – nach Einschätzung von Professor Pretzler, der als Hausherr des HdU die Zusammenarbeit mit der Jazz-Schmiede pflegt, zu einem besonders zugkräftigen Event. In der Folge gab es z.B. Themenabende mit dem Experimentalphysiker Professor Desch (Bonn), dem Biologen Professor Baumann (Aachen), dem Philosophen Professor Feige (Stuttgart), dem Psychologen Professor Beauducel (Bonn), dem Kunsthistoriker Beat Wismer (›Museum Kunstpalast‹ Düsseldorf) und etlichen anderen Vertretern unterschiedlicher Disziplinen. Auch die Jazz-Ensembles waren jeweils von Peter Weiss hochkarätig besetzt: Sebastian Sternal (p) ist zum Beispiel mehrfach zu Gast, Ryan Carniaux (tp), Matthew Halpin (ts), Matthias Nadolny (ts), Oliver Lutz (b) und etliche andere traten auf. Feste Größe an allen Themenabenden war Weiss selbst am Schlagzeug …

Good Vibrations bestimmen natürlich auch das 30. Jubiläum, das vom 26. bis 28. September gefeiert wird! Peter Baumgärtner hat die Clara Schumann-Bigband mit Saxophon-Star Jan Prax ebenso eingeladen, wie die französische Jazz-Sängerin Claudine Bertault, und zum Schmiede-Open-Air-Konzert mit Hausmusikern wie Gästen »können wir aus dem Vollen schöpfen!«
Aber die Schmiede ist auch noch in anderen Bereichen engagiert. Sie fungiert als Gastgeber für die Kleinkunst und ist inzwischen verantwortlicher Veranstalter für die Konzerte von ›Globalklang‹.
Unter dem Motto ›Kammermusiksaal trifft Jazzclub‹ gabt es 2015, 2016, 2017 und 2022 das ›Spot On Jazz‹ Festival der aktuellen Jazzszene in Kooperation der Schmiede mit dem ›Robert-Schumann-Saal‹ im ›Kunstpalast‹ Düsseldorf. Und seit eineinhalb Jahren machen zudem die Latin-Sessions erfolgreich von sich reden.
Bleibt die Frage nach der Zukunft. Wie sieht es zum nächsten runden Geburtstag des Clubs aus? Musikalisch ist er zweifellos vital. Mit der großen Zahl junger Musiker auf hohem Niveau steht die nächste Jazz-Generation längst in den Startlöchern. Und zum vierten Mal wurde der Jung-Talent-Jazz-Award verliehen, der dem Nachwuchs vier Konzerte in NRW-Jazz-Clubs beschert. Peter Baumgärtner hat zunehmend junge Leute um die 30 bei den Jam-Sessions dienstags ausgemacht, volles Haus sowieso. Mit der ersten Schul-Kooperation setzt die Schmiede noch früher bei der Jugend an: Die Jazz-AG des Ursulinen-Gymnasiums präsentiert sich im Club. Zudem hat das ›Mutterschiff‹ Schmiede Satellitenbildung animiert, die den Jazz weiter in die Stadt trägt – mit Reihen im Maxhaus, in der Johannes- und in der Neanderkirche, im Haus Nielsen wie in der Destille. Nachdem das Festival ›Jazz City Bilk‹ 2024 mit großer Resonanz Premiere hatte, ist die Zahl der Spielorte in diesem Jahr noch gewachsen. Das facettenreiche Programm bot u. a. erstmals im Balletthaus der Rheinoper einen Dialog zwischen Jazzmusik und zeitgenössischem Tanz mit der Uraufführung der Choreographie ›Die Frage der Zeit‹ von Neshama Nashman zur Neukomposition ›Bilk Suite‹ von Wolfgang Schmidtke.
Aber welche Perspektive hat das Domizil an der Himmelgeister Straße? Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), bei der die Stadt die Schmiede gemietet hatte, wurde verkauft. Neuer Eigentümer ist eine private Immobilienfirma. »Es besteht ein Vertrag für eine mindestens 30-jährige Nutzungsdauer«, versicherte das Kulturamt, ohne dessen nachhaltige Unterstützung der Club nicht existiert hätte, vor zehn Jahren. Es sieht alles danach aus, dass auch der 40. Geburtstag wieder gefeiert werden kann!
Play ist again, Peter? Auf jeden Fall, Peter! Kontinuität ist schließlich gewährleistet und hat einen Namen: von Peter zu Peter – von Peter Weiss zu Peter Baumgärtner, die sich seit 52 Jahren kennen!
»Die Jazz-Schmiede ist ein Club von Musikern für Musiker. Man kennt die Bedürfnisse besser. Wir bilden die Szene ab, geben jeder Stilform Raum. Allerdings war mir am Anfang nicht bewusst, auf was ich mich eingelassen habe.«
Was hat denn die Schmiede, trotz Buckelpiste, auf den Erfolgsweg gebracht?
»Leidenschaft, Energie, Professionalität, ein gutes Team – und natürlich Glück. Mehr braucht es eigentlich nicht!« Ironie gehört offenbar auch dazu.
Und was sagte Peter, der Zweite?: »30 Jahre Schmiede, da bin ich stolz drauf! Wir sind ein gutes Team. Und die Stimmung stimmt in der Schmiede.«
Es bleibt: der Wunsch nach einer Klima-Anlage!




