Spot on Jazz – »Masters of Jazz«

Fr 20. 03. 2020
20:30

Spot on Jazz

Wanja Slavin Lotus Eaters

Wanja Slavin Lotus Eaters ist den Lotophagen gewidmet, einem Volk der griechischen Mythologie, das ganz der Welt abgewandt lebt. Die Musik ist eine Reise ins Innere und in einen Zustand abseits der Welt. Im Gegensatz zu den Namensgebern verfallen die Lotus Eaters dabei aber nicht in Lethargie sondern verwandeln düsteren Weltschmerz mit kraftvoller Dringlichkeit in faszinierende Musik. Die ist formal traditionell und doch begegnen die Lotus Eaters Erbe der Jazzgeschichte mit Selbstbewusstsein, adaptieren unterschiedlicher Stimmungen, Genres und Bilder, um sie klug und virtuos weiterzuentwickeln. Das klingt mal nach elegischer Klangmalerei, dann wieder wild und kämpferisch, im Gestus einer Rockband. Es ist eine sehr persönliches Projekt, in dem nicht um eine neue Definition des zeitgemäßen Jazz gerungen wird, sondern um emotionale Hingabe. Dieses Ringen ist nicht minder spannend. Wanja Slavin: „Es geht nicht um Intellektualität sondern um ein Gefühl, eher um etwas Spirituelles.“ Die Lotus Eaters beweisen, daß im 21. Jahrhundert ein aktueller Weg gefunden werden kann, die Jazztradition weiterzuführen und doch etwas relevantes hinzuzufügen.

"Einer der besten Altsaxofonisten hierzulande und darüber hinaus ist er sowieso. Die entsprechenden Preise hat er bekommen. Sie wirken wie wichtige Zwischenstationen im Schaffen Wanja Slavins, keinesfalls wie Ziele in seinem Musikerdasein. Sein außerordentliches Talent als Improvisator und Interpret ist nur die Voraussetzung für alles Weiterführende.
Wanja Slavin ist ein Bandleader, der mehr will, dies ist bei Lotus Eaters gut ersichtlich. Deswegen feilt er so skrupulös an den Arrangements, deswegen verändert er seine Band immer wieder personell, um die übergeordneten Ideen seiner Musik immer schlüssiger einkreisen zu können. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch irgendwie logisch, dass er sich nicht als vorpreschender Solist präsentiert, sondern als organischer Teil des Ganzen.
Hier bekennt sich einer, der in diversen Avantgardekonstellationen das freie Spiel pflegt, zum songhaft Melodiösen. Wanja Slavin nennt die Lotus Eaters seine wichtigste Band.
Und Wanja Slavin versteckt sich nicht hinter seiner Musik. Wie jeder in den Zeiten der Postmoderne muss er umgehen mit dem vielen, was da ist. Daraus dann das Eigene zu destillieren ist die Kunst, bei der er mit den Lotus Eaters sehr weit gekommen ist. Keine Kopien und keine Ironie gibt es bei ihm. All diese Krücken braucht er nicht, weil sie letztlich von der Angst zeugen, auch mal was ernst meinen zu müssen.

Hier offenbart einer sein Ich, einer der weiß, dass Musikhören heute ebenso wie Musikmachen nur mit Referenzen im Kopf passieren kann. Also geht es Wanja Slavin darum, Partikel und Elemente in andere Kontexte zu setzen. Diese Verschiebungen haben bei ihm weder den Charakter witziger Collagen noch den kompetitiver Kraftmeierei. Hier entwickeln sie die Kraft, zu etwas Größerem zu wachsen." (Dr. Ulrich Steinmetzger)

Spot on Jazz

Dusko Goykovich Quintet

Dusko Goykovich gehört zu den lebenden Legenden des Jazz. Die Liste der Musiker, mit denen er gearbeitet hat, liest sich wie ein "Who is who" der Jazz-Geschichte: Benny Bailey, Chet Baker, Kenny Barron, Gary Burton, Kenny Clarke, Miles Davis, Maynard Ferguson, Tommy Flanagan, Stan Getz, Dizzy Gillespie, Dexter Gordon, Johnny Griffin, Slide Hampton, Woody Herman, Thad Jones, Lee Konitz, Albert Mangelsdorff, Gerry Mulligan, Oscar Pettiford, Sonny Rollins, Clark Terry, Lucky Thompson, Mal Waldron, Phil Woods... und viele mehr. Noch immer hat der in München ansässige Trompeter, mittlerweile 88-jährige einen vollen Terminkalender.

Seine unverwechselbar melodische Phrasierung und seine erstklassigen Balladen-Interpretationen auf der offenen und gestopften Trompete und dem Flügelhorn sind legendär. In Dusko Goykovichs ereignisreicher Biografie spiegelt sich über ein halbes Jahrhundert Jazz-Geschichte. In Bosnien geboren, wurde er in den Fünfzigern in Deutschland berühmt, war in den Sechzigern Mitglied der US-Big Bands von Maynard Ferguson und Woody Herman und wurde dann zum Pionier der Balkan-Jazz-Synthese. Brillant und mit Leichtigkeit wechselt er zwischen Bebop und Balladen, Bossa und 5/4-Takt.
Aktuell sind zwei Alben von ihm erschienen. Das eine von einem bisher unveröffentlichten NDR-Radiokonzert von 1972 mit dem Bläserensemble des NDR Sinfonieorchesters Hannover – „Sketches of Yugoslavia“ ENJA RECORDS ENJ-9673. Das andere ist eine aktuelle Live Aufnahme aus dem BIRDLAND Jazzclub Neuburg, feat. Alvin Queen, Jesse Davis, Dado Moroni und Mads Vinding – „Re:Bop“

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal in Kooperation mit der Jazz-Schmiede.